Diabetes Typ1 und Typ2

Die verschiedenen Formen von Diabetes

Bei Diabetes mellitus handelt es sich in all seinen Varianten stets um eine Stoffwechselstörung. Allen Diabetesformen gemein ist das Kernsymptom, nämlich ein erhöhter Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie). Doch die Ursachen sind dafür ganz verschieden. Somit werden all diese ‚Zuckerkrankheiten‘ je nach Ursache genauer benannt.

Etwas mehr als 5% aller Diabetiker sind von Typ-1-Diabetes betroffen. Diese Variante wird auch gerne als „juveniler“ Diabetes bezeichnet, weil er meist im Kinder- und Jugendalter auftritt. Ursache für den Typ 1 sind genetisch bedingte Zellstörungen in der Bauchspeicheldrüse.

Deutlich häufiger tritt hingegen der Typ-2-Diabetes auf. Um die 90% aller Zuckerkranken zählen zu dieser Gruppe. Hierbei spielen die genetische Veranlagung ebenso eine Rolle wie eine ungesunde Lebensweise, die sich in Übergewicht und Bluthochdruck äußert. In der Fachsprache wird hierbei vom sog. Wohlstandssyndrom gesprochen.

Der Energiestoffwechsel eines gesunden Menschen

Um zu verstehen, worin die genauen Unterschiede der Diabetestypen liegen, sollten wir einen kurzen Blick auf den Energiestoffwechsel unseres Körpers im gesunden Zustand werfen.

Zucker, also Kohlenhydrate wie etwas Glucose, sind für unseren Körper lebensnotwendig. So verbrennt bereits unser Gehirn täglich mindestens 120 Gramm Zucker. Die Kohlenhydrate gelangen über unsere Nahrung in unseren Verdauungstrakt. Im Darm werden die Kohlenhydrate in einzelne Zuckermoleküle zerlegt und werden als solche in den Blutkreislauf eingeschleust. Über den Blutstrom werden sie an alle Organe verteilt, besonders an Gehirn und Muskeln, da diese einen enormen Zuckerbedarf haben.

Somit ist es verständlich, dass wir zu der Tages- und Nachtzeit einen gewissen Blutzuckerspiegel haben. Dieser liegt bei ungefähr 80 bis 100 Gramm pro 100ml Blut. Wenn man gerade kohlenhydratreich gegessen hat, steigt dieser deutlich an.

Wenn der Körper einmal zu viel Glucose im Blut hat, so kann er diese in Glykogen, einer Energiespeicherform in Muskeln und Leber überführen. Zudem verfügt er über die Möglichkeit, Zucker in Fett umzuwandeln, und somit die Energie ebenso zu speichern.

So kann in Hungerphasen und in Zeiten körperlicher Belastung wie etwa beim Sport, das Glykogen zügig in Glucose umgesetzt und über den Blutkreislauf den Muskeln zur Verfügung gestellt werden.

Für den komplexen Kreislauf des Auf- und wieder Abbauen der Zuckermoleküle sind Hormone veranwortlich. Das bedeutendste ist hierbei Insulin, welches in den Langerhans’schen Inseln der Pankreas (Bauchspeicheldrüse) hergestellt wird. Ein Insulinausstoß ins Blut bewirkt, dass die Gewebszellen den im Blut gelösten Zucker aufnehmen. Die genau entgegengesetze Funktion besitzt das Hormon Glucagon, der Gegenspieler des Insulins.

Bei einem gesunden Menschen passiert also folgendes: Nach einer Mahlzeit steigt der Blutzuckerspiegel an. Die Bauchspeicheldrüse sendet daraufhin Insulin aus, damit der Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt. Zudem wird dadurch bewirkt, dass ein Teil des Zuckerüberschusses in Speicherfett umgewandelt wird.



Das Problem beim Fehlen von Insulin ist also, dass das Blut nicht in die Gewebezellen von z.B. Muskeln gelangen kann. So steigt der Blutzuckerspiegel unaufhörlich an.

Die Nieren haben die Funktion, sämtliche Mineral- und Nährstoffe aus dem Primärharn dem Körper zurückzuführen, und nur die Überschüsse an die Blase weiter zu reichen, damit diese dann ausgeschieden werden können. Ab einem bestimmten Blutzuckerspiegel (Nierenschwelle) wird eine derartige Reabsorption nicht mehr durchgeführt, das bedeutet, dass vermehrt Zucker ausgeschieden wird. Dieser kann dann über Teststreifen, die man in den Urin hält, nachgewiesen werden.

Doch Zucker muss immer in hydratisierter Form vorliegen, damit er ausgeschieden werden kann. Das heißt also, dass gewaltige Wassermassen ‚mitgezogen‘ werden, was bei Patienten zu vermehrtem Harndrang und ständigem Durstgefühl führt.

Die schwerwiegendeste Folge ist allerdings der dauerhauft hohe Blutzuckerspiegel, welcher unter anderem das Infarkt- sowie Schlaganfallrisiko dramatisch erhöht.

Typ-1-Diabetes – eine Autoimmunerkrankung

Bei dieser Variante werden die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die zur Insulinherstellung benötigt werden, vom eigenen Immunsystem zerstört. Dabei spricht man von einer Autoimmunerkrankung. Die Folge dieser Erkrankung sind dauerhafter Insulinmangel und ein hoher Blutzuckerspiegel. Unbehandelt würde diese Diabetesform in kürzester Zeit zum Tod führen.

Mittlerweile gilt eine genetische Ursache als gesichert. Doch genaueres weiß man derzeit noch nicht.

Eine Sonderform des Diabetes Typ1 ist LADA. Dabei kommen die Symptome erst sehr viel später (frühestens ab dem 25. Lebensjahr) zu tragen, was ihn im wesentlichen vom klassischen, juvenilen 1er Diabetes unterscheidet.

Typ-2-Diabetes – die Folgen des Wohlstandssyndroms

Bei Typ-2-Diabetes handelt es sich immer um mehrer Störungen. Zum einen wird Insulin während der Nahrungsaufnahme nur zögerlich frei gesetzt, was den Blutzuckerspiegel kurzzeitig ins Unermessliche ansteigen lässt. Dabei spricht man von ‚Spitzenblutzuckerspiegel‘.

Desweitern können die Insulinmoleküle nicht effektiv an den Gewebszellen wirken. Das bedeutet, Zellen wie Muskelzellen sind in gewisserweise resistent gegen Insulin. Auch das führt zu einem Verbleib der Glucose im Blut.

Zudem vermutet man, dass sog. Chaperone in den beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse dafür verantwortlich sind, das, ähnlich wie bei Typ1-Diabetes, einige insulinproduzierende Zellen der Pankreas absterben.

Schwangerschaftsdiabetes

Die dritthäufigste Diabetesform betrifft ausschließlich Frauen: Die Schwangerschaftsdiabetes. Diese Gestationsdiabetes tritt erst im Laufe der Schwangerschaft auf und betrifft etwa jede 25. schwangere Frau.

Als Risikofaktoren gelten dabei Übergewicht, hochkalorische Ernährung sowie Bewegungsmangel. Doch es ist wohl auch eine erbliche Neigung bei den Betroffenen vorhanden.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass während der Schwangerschaft eine leichte Blutzuckererhöhung völlig normal ist, denn der Körper samt Embryo weist einen erhöhten Energiebedarf auf.

In der Regel verschwindet Diabetes mit der Enbindung. Bei weiteren Geburten liegt das Risiko, erneut an der Zuckerkrankheit zu erkranken, bei etwa 30%.

Dennoch sollte Schwangerschaftsdiabetes als ernstzunehmender Hinweis gelten. Denn die Wahrscheinlichkeit der betroffenen Frauen, im späteren Leben an Typ-2-Diabetes zu erkranken, ist um das 8fache gesteigert. Hier kann eine gesunde Ernährung in Kombination mit viel Bewegung entgegenwirken.

Weitere Zuckerkrankheiten

Über 99% aller Diabetespatienten haben Typ1, Typ2, LADA oder Schwangerschaftsdiabetes. Doch es gibt auch weitere Formen, die hier nur der Vollständigkeit halber genannt werden.

So können Tumore oder chronische Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse ebenso zu einer gestörten Insulinausschüttung führen. Auch können diverse andere Hormone wie Kortisol und Wachstumshormone den Insulinhaushalt und damit indirekt den Blutzuckerspiegel negativ beeinflussen.

Eine Vielzahl an Erkrankungen haben eine Zuckererkrankung quasi als Begleiterscheinung. Dazu zählen Röteln und Mukoviszidose. Zu guter letzt können auch Medikamente wie Kortison oder Mittel gegen Herzleiden einen erhöhten Blutzuckerspiegel als Nebenwirkung haben.

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