Archiv der Kategorie: Impfungen

impfempfehlung

Impfempfehlungen – Gegen was soll ich mich impfen lassen?

Die Impfstoffwächter in Deutschland

Sehen wir uns zunächst die ofiziellen Empfehlungen an. Wozu raten Staat und Forschungsinstitute? Für öffentliche Impfempfehlungen ist deutschlandweit die ‚Ständige Impfkommission‘ des Rober Koch-Instituts, kurz STIKO, zuständig. Die Überwachung der Impfstoffsicherheit obliegt dem Paul-Ehrlich-Institut. Dieses ist auch für Bearbeitung von Nebenwirkungen oder Zwischenfällen zuständig. Im sog. ‚Epidemiologischen Bulletin‘ werden von Seiten der STIKO jährlich die neuesten Impfempfehlungen veröffentlicht und erläutert.

Impfempfehlungen

Insgesamt werden für Personen, die sich ausschließlich in Deutschland aufhalten,  Standardimpfungen gegen folgende Krankheiten empfohlen:

  • Diphtherie
  • Tetanus
  • Keuchhusten
  • Hib
  • Kinderlähmung
  • Hepatitis B
  • Pneumokokken
  • Meningokokken
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Windpocken
  • Damen: Gebärmutterhalskrebs
  • Senioren: Influenza (Grippe)

 

Zusätzlich werden bei Reisen als sog. Indikationsimpfungen empfohlen:

  • Cholera
  • Gelbfieber
  • Hepatitis A
  • FSME
  • Tollwut
  • Typhus

 

In Österreich sind die Impfempfehlungen nahezu identisch – nur gegen Gürtelrose wird es zusätzlich empfohlen, sich impfen zu lassen.

Sind Impfungen für jeden sinnvoll?

In Deutschland wurden mittlerweile über 1500 Erreger nachgewiesen, welche bei uns Menschen Krankheiten hervorrufen. Die Dunkelziffer ist wohl gar ein Vielfaches davon. Doch wir haben lediglich gegen 22 dieser Infektionskrankheiten eine Impfungmöglichkeit. Daher müssen wir uns die Frage stellen, nach welchen Kriterien die Impfpläne eigentlich erhoben werden. Was macht eine Standardimpfung aus, die möglichst jeder Bürger, egal welchen Alters oder Berufsstands er oder sie ist, einnehmen sollte? Und wo lohnt es sich lediglich für spezielle, gefährdete Berufsgruppen oder Säuglinge / Kleinkinder, sich den Impfschutz zu holen? Die Antworten auf diese Fragen sind wohl für jeden Nutzer von Impfungen von Bedeutung, denn dadurch wird die individuelle, persönliche Gefährdungsbeurteilung ungemein erleichtert. Daher sollte man sich folgende Fragen für jede Erregergruppe, gegen die es einen Impfstoff gibt, stellen.


Beschaffenheit und Übertragungsweg des Erregers

Zunächst ist es sinnvoll, sich alle Informationen zum jeweiligen Erreger die dadurch induzierte Krankheit einzuholen. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die Frage nach dem Reservoir. Also gilt es zu prüfen, ob der Erreger möglicherweise ausschließlich den Menschen befällt – was eine Ausrottung des Erregers bei konsequenter Impfung eines jeden Menschen ermöglichen würde. Zudem gilt es die Aggressivität sowie die Übertragungwege einzuschätzen. Bei zur Übertragung eventuell benötigten, tierischen Vektoren wie Mücken ist selbstverständlich zu klären, ob diese Vektoren in Zentraleuropa überhaupt vorkommen. Ein weiterer Punkt wäre die Infektiosität und das Überprüfen, ob auch Infizierte ohne Symptome infektiös für ihre Mitmenschen sein können.

Vorkommen des Erregers

Die wohl sicher trivialste Frage ist die nach dem Vorkommen eines bestimmten Erregers. Kaum jemand, der ausschließlich in Deutschland lebt und weder beruflich noch privat viel mit Menschen zu tun hat, die tropische Länder bereisen, wird sich gegen Malaria impfen lassen. Denn der Erreger und mit ihm die Vektoren (Moskitos) gibt es hier schlichtweg einfach nicht. Schließlich sollte man noch in Erfahrung bringen, wie lange eine etwaige Immunität nach Impfung anhält und ab welchem Lebensalter geimpft werden darf.

Schwere der Krankheit

Natürlich muss auch die schwere einer möglichen Infektion und der einher gehenden Krankheit berücksichtigt werden. Je schwerer diese ist, desto dringlicher wird eine Impfung empfohlen und desto wahrscheinlicher ist eine Einstufung als Standardimpfung. So kommt die Diphtherie nur noch sehr selten vor, doch da die Mortalitätsrate dieser schweren Erkrankung immens ist, gehört sie nach wie vor zur den Grundimpfungen, auch in Deutschland.

Impfempfehlungen – 2 exemplarische Einschätzungen

Beispiel 1: Masern

Die Erreger der Masern kommen immer noch deutschlandweit vor und der Krankheitsverlauf ist definitiv ernst zu nehmen. Darum ist eine Standardimpfung etwa zu Beginn des 2. Lebensjahres angezeigt. Früher zu impfen ist nicht sinnvoll, da das Kleinkind noch über ausreichend Anitkörper der Mutter verfügt. Eine Impfung zu diesem Zeitpunkt würde durch diese Antikörper neutralisiert werden, und der Impfeffekt würde verpuffen.

Beispiel 2: FSME

FSME wird über Zecken übertragen, wobei das hauptsächliche Gefährdungsgebiet auf den süddeutschen Raum begrenzt ist. Daher gibt es gegen FSME keine Standardimpfung sondern lediglich eine Impfempfehlung für die Personen in diesem Gebiet und insbesondere an jene Perosnengruppen, die beruflich (Förster, Jäger) oder privat (Pilzsammler, Wanderer) einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Gegen was soll ich mich nun impfen?

Um für sich selbst herauszufinden, welche Impfungen Sinn ergeben, sollten zusammenfassend folgende Aspekte hinterfragt werden:

  • Inzidenz – also die Häufigkeit des Auftretens, veranschaulicht durch Relationen zu anderen Erkrankungen
  • Prävalenz – Zahl der aktuell Erkrankten
  • Prozentualer Anteil an symptomatischen und nicht-symptomatischen Infektionen unter Einbezug einer Dunkelziffer
  • Gefährlichkeit der Krankheit sowie Krankheitsverlauf und – dauer
  • Etwaige Folgeerkrankungen
  • Häufigkeit von Komplikationen bei Krankheit und bei Impfung
  • Risikogruppen für bestimmte Erreger (siehe oben)
  • Zuverlässigkeit und Dauer des Impfschutzes

Das sind mit Sicherheit nicht alle Punkte, die überdacht werden müssen – aber wohl mit die wichtigsten. Ein weiterer Punkt wären institutionell-gesellschaftliche Vorgaben zu gewissen Impfungen. So sind zum Beispiel für den Besuch eines Kindergartens bestimmte Impfungen oftmals eine Grundvoraussetzung.

Insgesamt erscheinen die obigen Impfempfehlungen aber auch unter der Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände eine sehr gute Orientierung geben zu können.

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Praxistipps Impfung Impfstoffe

Umgang mit Impfungen und Impfstoffen – Praxistipps

Folgende 7 Tipps helfen Ihnen dabei, Fehler beim Umgang mit Impfstoffen oder der Impfung an sich zu vermeiden.

Regelmäßige Impfbuchkontrolle

Durch die regelmäßige Impfbuchkontrolle haben Sie ihre Auffrischungsimpfungen immer im Blick. Bitten Sie Ihre Arzt darum, für Sie den nächsten Termin mit Bleistift in das Impfbuch einzutragen. So wird sichergestellt, dass Sie sich nicht verrechnen.

Kommunikation mit dem Hausarzt

Sprechen Sie vor der anstehenden Impfung mit Ihrem Hausarzt, wenn Sie sich nicht gut fühlen. Wenn sich ein Infekt anbahnt und Sie geschwächt sind, kann dies insbesondere bei Lebendimpfstoffen zu ernsthaften Komplikationen führen! Desweiteren sollten Sie Ihren Arzt unbedingt darüber informieren, wenn Sie eine zurückliegende Imfpung nicht vertragen haben und spezielle Nebenwirkungen festgestellt haben.

Vor Reisen die Infektionsrisiken ermitteln

Gerade bei Reisen in Entwicklungsländer gilt es sich zu informieren und einen präzisen, zeitlichen Impfplan zu erstellen. Bedenken Sie dabei, dass Lebendimpfstoffe nur in bestimmten, meist mehrwöchigen Abständen voneinander geimpft werden können. Bei den meisten Impfstoffen ist eine mehrmalige Grundimmunisierung notwendig.


Lagerung von Impfstoffpräparaten

Haben Sie selbst den Impfstoff bei sich, so muss eine enger Temperaturbereich zwingend eingehalten werden. Dieser liegt nahezu immer bei +2 und +8 Grad Celsius. Keinesfalls darf der Impfstoff einfrieren. Lagern Sie das Präparat am Besten in der räumlichen Mitte Ihres Kühlschranks, denn dort stimmt die tatsächliche Temperatur am genauesten mit der von Ihnen manuell eingestellten Temperatur überein.

Impfstoff vor der Impfung auf Körpertemperatur erwärmen

Umschließen Sie mit Ihrer Hand die gefüllte Spritze für mindestens 4 bis 5 Minuten, damit der Impfstoff Ihre Körpertemperatur annehmen kann. Nur bei dieser Temperatur ist er aktiv und wirksam.

Nicht verkrampfen

Bleiben Sie bei einer Injektion in den Oberarm lockern, lassen Sie den Arm herunterhängen und verkrampfen Sie trotz des bevorstehenden Einstichs nicht. Denn eine Verkrampfung wird im Anschluss an die Impfung zu Schmerzen führen, der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Muskulatur leicht verletzt hat.

Dokumentation der Impfungen

Überprüfen Sie das exakte Eintragen der jeweiligen Impfungen. Auch ein Arzt ist nur ein Mensch und kann Fehler begehen. Ist eine Impfung im Impfass nicht dokumentiert, so gilt sie als nicht durchgeführt. Ob nun bereits geimpft wurde oder nicht lässt sich mittlerweile allerding aufwendig mithilfe einer Antikörperbestimmung feststellen.

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Schutzimpfung

Schutzimpfung – Ist eine Impfung wie die andere?

Schutzimpfung – Impfstoffarten sind verschieden

Mit einer Schutzimpfung wird das Ziel verfolgt, gegenüber einem spezifischen Infektionserreger eine Immunität zu schaffen. Dies geschieht dabei meist über Antikörper. Im Prinzip unterscheidet man vier Arten von Schutzimpfungen:

  • Lebendimpfung – hier werden vermehrungsfähige, aber hinsichtlich ihrer schädigenden Eigenschaften abgeschwächte Erreger injiziert
  • Totimpfung mit abgetöteten Erregern
  • Totimpfung mit lediglich einzelnen Bestandteilen von Erregern – i.d.R. Eiweiß- oder Kohlenhydratmoleküle
  • Toxoidimpfung – bei dieser Schutzimpfung wird keine Immunität gegen den Erreger selbst, sondern gegen das von ihm erzeugte Gift, das sog. Toxin, gebildet.

 

Schutzimpfungen unterscheiden sich im Zeitpunkt der Impfstoffgabe

Normalerweise werden Impfstoffe vor Beginn einer möglichen Gefährdung verabreicht. So impft man sich beispielsweise einige Wochen vor einer Reise in ein gefährdetes Gebiet, oder vor dem Eintritt in eine mit Infektionsgefahren verbundene berufliche Ausbildung.

Es gibt jedoch auch Impfstoffe, welche beinahe ausschließlich unmittelbar nach dem Kontakt mit einem Erreger verabreicht werden. Dies ist z.B. bei Masern oder Röteln der Fall.

In wiederum anderen Fällen kommt eine sog. aktiv-passive Impfung oder auch Simultanimpfung zum Einsatz. Dabei werden die Antikörper, welche den (Lebend-)Impfstoff neutralisieren könne, gleich mit injiziert, um die Sicherheit zu erhöhen. So kann ausgeschlossen werden, dass die geimpften Erreger die Oberhand gewinnen, noch bevor der Körper mit der eigenen Antikörperbildung beginnen konnte. Diese additiven, zusätzlich verabreichten Antikörper sind Immunglobuline, welche man aus dem Blut von bereits immunen Menschen gewonnen hat. Beispiele, die eine Simultanimpfung erforderlich machen, sind Fuchsbisse (Tollwut) oder mit Erdreich verschmutzte, äußere Wunden (Tetanus).

Ziel einer Schutzimpfung

Das Erreichen einer lebenslanger Immunität aufgrund einer einmaligen Impfstoffgabe darf wohl als das Idealziel einer jeden Schutzimpfung gelten. Leider sind bei wir immer noch bei zahlreichen Impfpräparaten noch weit davon entfernt. Der werden nun die Vor-und Nachteile der jeweiligen Impfstoffe sowie die Prinzipien der Impfstoffherstellung vorgestellt.


Lebendimpfung

Die Basis zur Gewinnung eines Lebendimpfstoffs liegt in der Züchtung von Erregern, welche die krankmachende Wirkung bzw. Eigenschaften verloren haben. Eine andere Möglichkeit besteht in der Verwendung von Mutanten, also von Erregerstämmen, welche spontan durch genetische Veränderungen ihre toxische Eigenschaft verloren haben. Diese Methode ist deshalb möglich, weil die Erreger in aller Regel sehr kurz Reproduktionszyklen in Nährmedien haben, sodass die Wahrscheinlichkeit, nach wenigen Tagen des ‚Bebrütens‘ auf eine derartige Mutante unter tausenden Erregerindividuen zu stoßen, sehr groß ist.

Doch im Falle der Züchtung erfolgen zunächst mehrere Selektionsstufen, wodurch die Erreger nach und nach ihre toxische Eigenschaften verlieren. Dabei variiert man zwischen jeder Generationsstufe der Viren die Umgebungsparameter, sodass nur bestimmte Individuen mit entsprechendem Erbgut überleben. Über diese mikrobiologischen Verfahren gewinnt man nach etwa 20 bis 30 Schritten die gewünschten, harmlosen Erreger. Durch dieses Verfahren, das mehrere Monate dauern kann, werden u.a. Impfstoffe gegen die Erreger von Mumps, Masern, Gelbfieber und Windpocken hergestellt.

Vorteil und Nachteil einer Lebendimpfung

Der große Vorteil einer Schutzimpfung mit lebenden Erregern liegt in der natürlichen Nachahmung einer Infektion, wodurch gleich alle möglichen Antigen-Variationen des Erregers angeboten werden. Die Immunität, welche dabei hervorgeht, hält meist ein Leben lang. Und der Schutz ist bei nahezu 100%.

Ein Nachteil von Lebendimpfstoffen liegt in der Gefahr der Rückmutation der Erreger. Das bedeutet, dass die zuvor mühevoll auf Unschädlichkeit gezüchteten Erreger spontan doch wieder in der Lage sind, ihre toxische Wirkung zu entfalten. Diese Gefahr lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Rückmutation bei 1:3 Millionen Impfungen.

Totimpfung

Ist eine Lebendimpfung nicht möglich, weil die Sicherheit aufgrund häufiger Rückmutationen nicht gewährleistet werden kann oder schlicht keine Züchtung durchgeführt werden kann, so ist eine Totimpfung eine Alternative.

Dabei werden die Erreger entweder physikalisch mittels Erwärmung oder chemisch durch keimabtötende Agenzien wie Formaldehyd inaktiviert. Auf diese Weise ist es mittlerweile gelungen, unter anderem gegen Kinderlähmung, Tollwut, Influenza sowie Hepatitis A einen wirksamen Impfstoff herzustellen.

Vorteil und Nachteil der Totimpfung

Der Vorteil dieser Variante der Schutzimpfung liegt in der Ungefährlichkeit. Durch das Abtöten der Erreger ist eine Reaktivierung unmöglich. Der Nachteil liegt allerdings im Zwang der häufigen Impfwiederholungen. So folgen auf eine mehrmals durchgeführte Grundimmunisierung in regelmäßigen, zeitlichen Abständen weitere Auffrischungen. Dies ist erforderlich, um das Immunsystem immer wieder zur Antikörperproduktion anzuregen. Eine Auffrischung zur Aufrechterhaltung des Impfschutzes erfolgt je nach Impfstoff alle 3 bis 10 Jahre.

Toxoidimpfung

Ist es nicht notwendig, die Erreger abzutöten, da diese an sich für den Organismus unschädlich sind, so wird meist zu einer Toxoidimpfung geraten. Bei dieser Schutzimpfung wird lediglich eine Immunität gegen die produzierten Giftstoffe (Toxine) anvisiert. Dieses Vorgehen wird bereits bei Diphtherie und Keuchhusten erfolgreich angewendet. Im Rahmen der Impfstoffherstellung werden die Toxine so molekular verändert, dass sie nicht mehr giftig sind und dennoch die Antikörperbildung gegen das eigentliche Gift zu fördern. Solche Toxine nennt man dann Toxoide.

Auch hier ist eine regelmäßige Auffrischung erforderlich. Zudem besteht z.B. bei Diphtherie das Problem, dass infizierte aber geimpfte Personen zwar nicht selbst erkranken, aber andere Personen dennoch (unbemerkt) anstecken können.

Der Trend geht zu Kombinationsimpfstoffen

Da häufig Säuglinge und Kleinkinder geimpft werden, möchte man über Kominationsimpfstoffe die Belastung für die Geimpften möglichst gering halten. Solche Kombinationspräparate gibt es nicht nur Tot- oder Toxoidimpfstoffen, sondern auch bei Lebendimpfstoffen. Inzwischen mit bis zu acht unterschiedlichen Impfstoffkomponenten.

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Infektionserreger Bakterien

Alles über Infektionserreger Arten

Wer macht uns eigentlich krank?

Alle Infektionserreger, welche Krankheiten bei uns Menschen hervorrufen können, lassen sich den folgenden 6 biosystematische Klassen zuordnen.

Alle Infektionserreger im Überblick

  • Bakterien
  • Pilze
  • Prionen
  • Protozoen
  • Viren
  • Würmer

 

Dabei handelt es sich durchwegs um sogenannte Endoparasiten, welche wenigstens einen Teil ihres Lebens im Organismus des Wirtes (also in diesem Fall im menschlichen Körper) aufhalten. Dem gegenüber gestellt werden die Ektoparasiten, die zu keiner Zeit ihres Lebenszykluses im Wirtsorganismus leben. Diese Ektoparasiten wirken als Überträger und können dabei auch selbst schädigend auf den Wirtsorganismus einwirken, wie etwa die Zecken.

Viren

Die Viren zählen aufgrund des fehlenden Stoffwechsels nicht zu den Lebewesen, sondern sind letztlich nichts weiter als biochemische Verbindungen. Ihr Durchmesser beträgt dabei etwa 10 – 300 Nanometer, womit sie rund 10 mal kleiner als Bakterien sind und lichtmikroskopisch kaum darstellbar sind. Diese unfassbar geringe Größe ist dafür verantwortlich, dass Viren deutlich ’schlüpfriger‘ sind als Bakterien, und somit selbst in kleinste Mikroporen eindringen können.

Wirkung der Viren im menschlichen Organismus

Hat es ein Virus geschafft in eine Zelle zu gelangen, so beginnt es entweder sofort oder erst nach einer Latenzphase damit, der Zelle seinen Willen aufzuzwingen. Durch Manipulation in der Genexpression und dem Einbringen eigner Viren-DNA in die Bakterien-DNA produiert die Zelle von nun an nur noch die Moleküle, welche das Virus, und nicht der Organismus, vorgibt. Zudem hat der Virusbefall für die Zelle oft auch einen zytotoxischen Effekt: Die Körperzelle baut sich selbst Schritt für Schritt ab um molekulare Baustoffe zu beschaffen, mit denen sie weiter die Stoffe bilden, welche der Infektionserreger vorgibt.

Antikörper sind die Lösung

Nun sind wir einem Virusbefall nicht wehrlos ausgesetzt, sonst wäre ja jede Virusinfektion tödlich. Glücklicher Weise gibt es da noch die Antikörper, welche jeder gesunde Organismus zeitnah bildet. Bei Antikörpern handelt es sich letztlich um Eiweißstrukturen, die freigesetzt werden um die Schlüsseleiweiße der Infektionserreger zu neutralisieren. Hat der Körper eine derartige Infektion überstanden, bleibt oft eine lebenslange Immunität gegen exakt diese Erreger erhalten (wie bei Röteln oder Masern). Denn sogenannte Gedächtniszellen erkennen bei erneutem Befall den Erreger und stoßen sofort eine Reaktionskaskade zur Antikörperbildung an. Ein künstliches Immunisieren nach diesem Muster nennt man eine Impfung.


Virus im Wandel

Doch so manche Viruserkrankung kann der Mensch mehrmals bekommen. Hier ist dann eine Veränderung der Oberflächenstrukuter der Erreger verantwortlich. Die abgespeicherten Waffen des Körpers, die Antikörper, können diese neuartigen Erreger nicht erkennen und somit auch nicht neutralisieren. Das Paradebeispiel hierfür ist der Influenza-Erreger, welcher sich von Grippeepidemie zu Grippeepidemie verändert. Das hat zur Folge, dass jedes Jahr der Impfstoff modifiziert werden muss, um an die aktuelle Erregerbeschaffenheit angepasst zu sein.

Bakterien

Anders als bei den Viren, handelt es sich bei Bakterien sehr wohl um Lebewesen mit eigenem Stoffwechsel. Wobei diese sich im Fremdorganismus selbstständig vermehren können, ohne manipulativ tätig zu werden und das Erbgut der Zellen zu verändern. Man kann sich den Unterschied zwischen Bakterien und Viren so vorstellen, dass es sich bei Bakterien um ganze Fabriken handelt, die eine ganze Palette an Stoffwechselprodukten herstellt. Wohingegen Viren Fabrikchefs sind, welche die fertigen, fremden Fabrikgebäude (Zellen) betreten und vorschreiben, was diese anfertigen sollen.

Bakterien lassen sich besonders gut mit Chemotherapeutika bekämpfen. Dabei handelt es sich um Medikamente, die den Stoffwechsel von Erregern und Tumorzellen unterdrücken und dadurch deren Wachstum verhindern. Gerade zur Bakterienbekämpfung sind hier vor allem die Antibiotika zu nennen, welche von der reinen Begrifflichkeit her weitaus bekannter sind. Da Bakterien meist nicht durch eine Antikörperart alleine ausgeschaltet werden können, kann man im Laufe des Lebens mehrfach an bakteriellen Infektionen des selben Erregers erkranken (Beipiel Keuchhusten).

Pilze

Pilzinfektionen sind für den Menschen nicht nur ärgerlich aufgrund des meist einhergehenden Juckreizes. Die Pilze können auch zu ernsthaften Hautkrankheiten und schwerwiegenden Beschwerden bei Befall der Atemwege führen. Da das Tierrech der Pilze mit weit über 100 000 Vertretern rießig ist, erscheint eine gezielte Impfung gegen diese Erreger vorerst nicht möglich. Dennoch gibt es zahlreiche pharmazeutische Substanzen, mit denen sich Pilze recht gut bekämpfen lassen – diese werden Antimykotika genannt.

Prionen

Prionen ähneln stark den Viren, denn auch sie sind chemische Verbindungen (Eiweißverbindungen). Diese Infektionserreger sind im Stande, Proteinstrukturen im Nervensystem ihrer Opfer so zu modifizieren, dass diese für ihre Opfer nicht mehr funktionstüchtig sind. Dadurch kommt es stets zu tödlichen Erkrankungen des Nervensystems mit sponiformen (schwammartigen) Zersetzungen, die u.a. das Gehirn regelrecht durchlöchern können. Populärstes Beispiel für diese Vorgehensweise der Prionen ist wohl der ‚Rinderwahn‘ (BSE). Eine gezielte Bekämpfung dieser Infektionserreger oder die Entwicklung eine Impfstoffs ist noch nicht gelungen.

Protozoen

Bei diesen mikroskopisch kleinen Infektionserregern handelt es sich um deutlich größere Organismen als dies Bakterien beispielsweise sind. Bekannteste Vertreter der Protozoen sind dabei die Erreger von Malaria oder der Schlafkrankheit. Gegen einige, aber nicht alle, Vertreter der Protozoa gibt es mittlerweile wirksame Arzneimittel.

Würmer

Würmer sind die größten aller Infektionserreger; manche können gar mehrere Meter lang werden. Ein Impfung gegen Würmer ist unmöglich. Oftmals können selbst chriurgische Behandlungen nicht mehr helfen, wie beispielsweise beim Fuchsbandwurm. Die meisten Würmer befallen primär den Verdauungstrakt ihres Opfers.

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Infektion Infektionskrankheiten

Infektionen & Infektionskrankheiten

Jeder gesunde Mensch besitzt eine sogenannte Basisimmunität, d.h. er oder sie ist von Grund auf gesund und hat Schutzbarrieren gegen fremde Erreger aufgebaut, welche einer Infektion und der damit einher gehenden Erkrankung im Weg steht.

Bei einem völlig gesunden, wohlernährten Menschen ist das Auftreten einer Infektionskrankheit weit weniger wahrscheinlich als bei einem chronisch Krankem, einem Alkoholiker oder einem Kettenraucher. Denn diese internalen wie externen Faktoren reißen die natürlichen Schutzbarrieren unseres Organismuses ein. So sind es in erster Linie die intakte Haut sowie die funktionierenden Schleimhäute in den Atemwegen, die ankommende Erreger nicht in den körpereigenen Organismus vordringen lassen. Eine Ausnahme bilden hierbei natürlich unvorhersehbare Unfälle, die zu Verletzungen am Integument (so wird die Körperhülle in Fachkreisen genannt) führen und somit eine unfreiwillige Eingangspforte für Erreger bieten. Der klassische Fall von Erregern, die schlichte Fleischwunden infezieren und besiedeln, wären die Erreger von Tetanus und Gasbrand.

Infektion – eine kurze Definition

Um das Zustande kommen von Infektionskrankheiten genauer zu verstehen, müssen wir erstmal den Begriff Infektion fassbar machen, ihn definieren.

Unter Infektion versteht man die Übertragung, das Haftenbleiben und das Eindringen von Krankheitserregern in den aus kleinsten Zellen bestehenden Organismus. Eine Infektion kann vollkommen unbemerkt bleiben, aber trotzdem zur Antikörperbildung führen oder eine akut verlaufende oder gar chronische Krankheit hervorrufen.

Aus: „Impfen, wissen was stimmt“ von Prof. Dr. Friedrich Hofmann, Herder Verlag (Freiburg, 2011), Seite 15

Die Infektionswege, also wie Erreger in den menschlichen Organismus gelangen, können auf unterschiedlichste Weise erfolgen.

Infektionsformen

Ein Infektionsweg stellt die aerogene Infektion dar. Hier läuft die Ansteckung über die Luft und tritt vor allem bei Masern, Röteln, Influenza sowie den Windpocken (Varizellen) auf. Daneben gibt es noch die alimentäre Infektion, welche auf der oralen Aufnahme verunreinigter Lebensmittel in den Organismus beruht. Hier wären die Salmonellen oder auch Typhuserreger zu nennen, ebenso wie Hepatitis A.



Bei der parenteralen Infektion oder auch Kontaktinfektion schaffen es die Erreger unter Umgehung des Magendarmtrakes in den Blutkreislauf des Organismus vorzudringen. Das kann bei verunreinigten Spritzen ebenso der Fall sein wie im bereits angesprochenen Fall einer verunreinigten Fleischwunde. Auf diese Weise gelangen unter anderem HI-Virus sowie Hepatitis B und C Viren in den Körper.

Ganz ähnlich der parenteralen Infektion, da häufig geringe Blutmengen mit von der Partie sind, ist die Sexualkontaktinfektion. Hierzu zählen u.a. die Erreger für Tipper (Gonorrhoe) und Syphilis.

Und schließlich gibt es Erreger, die sich über  biologische Vektoren, sog. natürliche Vehikel, Zugang in den menschlichen Körper verschaffen. Als Vektoren dienen folgende, lebende Transportmittel: Zecken, Fliegen, Moskitos und Flöhe. Die Infektionskrankheiten, welche sich durch diese Vektoren verbreiten, sind meist weit verbreitet: Borreliose, Malaria und viele weitere mehr.