Gasbrand - Gasödem

Gasbrand (Gasödem)

Bei Gasbrand (auch Gasödem oder malignes Ödem genannt) handelt es sich um eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, meist hervorgerufen durch den Erreger Clostridium perfringens. Diese Bakterien vermehren sich in offenen Wunden und verursachen die namensgebende, charakteristische Gasbildung.

Ähnlich wie Tetanuserreger, leben die Gasbrandbazillen anaerob, also ohne Sauerstoff, überall in der Erde oder im Straßenstaub. Gefährdet sind daher vor allem Gärtner, Straßenarbeiter aber auch Hobbybergsteiger. Tiefe, schlecht versorgte Wunden, die mit Erde verunreinigt sind, bilden den idealen Platz für die Gasbrand-Erreger.

Gasbrand – Ausprägungsvarianten und Anzeichen

Prinzipiell kann bei Gasbrand je nach Aufnahmeweg der Erreger zwischen zwei Formen unterschieden werden.

Exogene Gasbrandform

Hier gelangen die Clostridien von außen in offene Wunden. Sie ist die häufigere der beiden Ansteckungsformen.

Endogene Gasbrandform

Werden die Erreger oral über die Nahrung aufgenommen, können diese sich über Darm und Blutbahn in alle Körpergewebsschichten, allen voran Muskelgewebe, niederlassen. Endogener Gasbrand ist sehr selten und kommt fast ausschließlich bei bereits vorerkrankten, geschwächten Personen vor. Bei gesunden Menschen ist das Immunsystem in der Regel stark genug, um die Erreger frühzeitig abzutöten, noch bevor sie die Muskelgewebe erreichen.

Anzeichen und Symptome

Dunkelfarbige Strukturen unterhalb der Haut in Nähe zur Wunde, meist in Kombination mit einem üblen Geruch. In einem späterem Stadium kommt es zu luftkissenartigen Schwellungen des betroffenen Areals. Dabei zersetzen die Gasbrandbakterien unter Gasbildung das Gewebe und vergiften mit ihren Stoffwechselprodukten den Körper. Wird die Gasödemerkrankung nicht schon bei den ersten Anzeichen behandelt, endet sie meist nach wenigen Tagen durch Atemlähmung tödlich. Die typischen Symptome lassen sich wiefolgt zusammenfassen:

  • Verfärbung der Wunde und des umliegenden Gewebe gründlich-gelb oder bläulich bis schwarz
  • Blasenbildung unter der Haut
  • Absondern von braunem, übel riechendem Wundsekret
  • Heftiges Anschwellen der Wunde (Bildung eines Wundödems)
  • Wundschmerz bleibt konstant auf hohem Niveau
  • Starke Schmerzen bei Berührung der Wunde, verbunden mit leisem Knistern (verursacht durch die Gasblasen)

Krankheitsverlauf von Gasbrand

Bei einer Infektion mit gasbrandinduzierenden Clostridien geschieht alles sehr schnell – und genau darin liegt die Gefahr. Bereits 10 bis 24 Stunden nach der Infektionen kommt es zu den Krankheitsanzeichen. Die Erreger produzieren anaerob Exotoxin wie Phospholipase C und Cytolysin. Diese Giftstoffe nehmen Einfluss auf die Blutgerinnung, zersetzen umliegendes Körpergewebe und lösen einen sogenannten septischen Schock aus – was zu multiplen Organversagen und letztlich dem Tod des Infizierten führen kann. In dieser Phase entstehen auch die kohlenstoffdioxidhaltigen Gasblasen als Stoffwechselendprodukte der Erreger.

Prognose

Bei enogenem Gasbrand liegt die Sterblichkeitsrate deutlich über 50%. Hier ist zu berücksichtigen, dass diese Patienten oft schon eine oder mehrer Grunderkrankungen haben und eine Gasbranddiagnose meist nicht schnell genug von statten geht. Bei exogenem Gasbrand, also wenn die Erreger über Wunden in den Organismus gelangen, liegt die Mortalitätsrate bei 30 bis 40 Prozent. Wird hier früh genug die Behandlung eingeleitet, liegen die Heilungschancen jedoch deutlich höher.


Diagnose und Behandlung von Gasbrand

Meist wird bei exogenem Gasbrand ein Arzt bereits aufgrund der Primärverletzung aufgesucht. Wird bei dieser Untersuchung durch Schwellung und/oder Verfärbung eine Wundinfektion festgestellt, wird zur genauen Erregerdiagnose etwas Wundsekret entnommen und histologisch untersucht. Auch sind Röntgenaufnahmen in der Lage, die Gasblasen abzubilden. Dies würde einen Verdacht auf Gasbrand bestätigen. Insgesamt gilt es, bei der Diagnose möglichst zügig vorzugehen. In Deutschland herrscht für Infektions- wie Todesfälle durch Gasödem eine gesetzliche Meldepflicht.

Therapiemaßnahmen

Zum einen wird die Wunde chirurgisch behandelt. Das bedeutet, dass die entsprechende Körperregion großzügig entfernt wird, um sicher zu gehen, dass alle Erreger im nahen Umfeld beseitigt werden. Nicht selten macht dies eine Amputation von Gliedmaßen erforderlich. Desweiteren wird die Wunde mit Sauerstoff in Kontakt gebracht, um eine Vermehrung der Erreger zu unterbinden. Zudem wird ein Gasbrand-Serum verabreicht, welches die Antikörper gegen die Bakteriengifte enthält. Antibiotikagabe (Penicilin, Clindamycin oder Cephalosporine) und Sauerstoffbeatmung sind zusätzliche Maßnahmen, die ergriffen werden können.

Gasbrand – Vorbeugung

Jede tiefgreifende, verschmutzte Wunde sofort ärztlich behandeln lassen. Wenn das nicht möglich ist, Wunde gründlich mit entsprechenden Antiseptika desinfizieren und sämtlichen Schmutz entfernen. Bei einer Diabetes mellitus Erkrankung gilt es besonders vorsichtig zu sein, da Patienten eine geringer Gewebedurchblutung und somit schlechtere Heilungschancen besitzen.

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